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24. März 2026
Marktkommentar Private Debt: Warum Private Debt differenziert betrachtet werden muss
- Medienberichte über Risiken und mögliche Verwerfungen im Markt für Private Debt
- Struktur- und segmentspezifische Unterschiede sollten stärker beachtet werden
Stuttgart, 24. März 2026 – Kreditausfälle in den USA, Kursrückgänge bei börsennotierten Private-Debt-Vehikeln und neue Risiken im Softwaresektor: Seit einigen Monaten berichten Wirtschaftsmedien verstärkt über Risiken und mögliche Verwerfungen im Markt für Private Debt. Dabei werfen sie wichtige Fragen zur Stabilität und Transparenz der Assetklasse auf. Dr. Markus Faulhaber, Senior Strategic Advisor der BF-Gruppe, und Eugenio Sangermano, Geschäftsführer von BF.capital, plädieren für einen differenzierten Blick auf Private Debt.
„Die aktuell häufig negativ geprägte Berichterstattung ist in vielen Fällen zu undifferenziert und kann ein verzerrtes Bild der Assetklasse vermitteln“, sagt Eugenio Sangermano. „Das zentrale Problem liegt häufig nicht in der Qualität der zugrunde liegenden Darlehensstrukturen, der Kreditnehmer oder der Darlehensdokumentation. Vielmehr entstehen Spannungen dort, wo illiquide Vermögenswerte in vergleichsweise liquiden Fondsstrukturen auf Anleger mit kürzerem Anlagehorizont treffen. In solchen Konstellationen können kurzfristige Marktbewegungen und investorengetriebenes Verhalten eine Dynamik erzeugen, die eher an börsliche Aktienmärkte erinnert als an das institutionell geprägte Investitionssegment im Private-Debt-Markt, das auf Stabilität und langfristige Investitionen über viele Marktzyklen ausgelegt ist“, ergänzt Dr. Markus Faulhaber.
„Viele der derzeit diskutierten Kritikpunkte betreffen vor allem spezifische Strukturen einzelner Marktsegmente, etwa börsennotierte Business Development Companies in den USA, und lassen sich nur bedingt auf Fondstrukturen übertragen, wie sie typischerweise in den Portfolien europäischer Investoren enthalten sind“, sagt Eugenio Sangermano. Er nennt als aktuelles Beispiel die Entwicklung bei BlackRock TCP Capital Corp., die zuletzt einen deutlichen Rückgang des Nettoinventarwerts meldete und die Auszahlungen einschränkte. „Der Fall zeigt vor allem strukturelle Besonderheiten des BDC-Modells: höherer Leverage auf Fondsebene, börsliche Handelbarkeit mit entsprechend volatilen Kursreaktionen sowie eine stärkere Abhängigkeit von stabilen laufenden Erträgen zur Dividendenfinanzierung. Klassische Private-Debt-Fonds sind hier deutlich konservativer strukturiert – häufig ohne Leverage auf Fondsebene, mit langfristig gebundenem Kapital und einer Ausschüttungspolitik, die auf stabilen Zins- und Tilgungsströmen basiert“, sagt Eugenio Sangermano.
Künstliche Intelligenz: Gefahr oder eher Chance für Private Debt?
Auch die aktuelle Diskussion über Risiken im Technologie- und Softwaresektor wird aus Sicht von Eugenio Sangermano zu stark auf Private Debt fokussiert: „Tatsächlich sind Private-Equity-Investoren aufgrund der Bewertungsabhängigkeit ihrer Portfolios deutlich stärker von möglichen Wertkorrekturen betroffen. Private-Debt-Fonds hingegen vergeben überwiegend kurzfristigere Darlehen mit klaren Covenants und Senior-Stellung in der Kapitalstruktur – Faktoren, die die Rückzahlung in vielen Fällen wahrscheinlicher machen.“
Hinzu kommt: Die Warnung vor möglichen Disruptionswirkungen neuer KI-Anwendungen beziehe sich auf sektorale Konzentrationsrisiken und weniger auf eine strukturelle Schwäche der Assetklasse. „Technologische Transformation kann auch neue Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen. Unternehmen investieren verstärkt in Automatisierung, Dateninfrastruktur und KI-Integration, was wiederum zusätzlichen Kapitalbedarf generiert. Für Private-Debt-Manager mit ausgeprägter Branchenexpertise kann die Fähigkeit, technologische Disruption differenziert zu bewerten, daher eher zu einer Quelle relativer Wettbewerbsvorteile werden als zu einem strukturellen Risiko für die Assetklasse insgesamt“, sagt Dr. Markus Faulhaber.
Besteht eine Blasengefahr bei Private Debt?
Darüber hinaus mehrten sich in den vergangenen Monaten kritische Stimmen, die vor Überhitzungstendenzen und potenziellen systemischen Risiken von Private Debt warnen. Eugenio Sangermano kommentiert: „Grundsätzlich gilt: Das Wachstum von Private Debt ist in erster Linie eine Folge verschärfter Bankenregulierung nach der Finanzkrise. Während Banken sich aus Teilen des Mittelstands- und Sub-Investment-Grade-Kreditgeschäfts zurückgezogen haben, schließen Private-Debt-Fonds diese Finanzierungslücke. Gleichzeitig ist die Branche in den vergangenen Jahren deutlich transparenter und regulierter geworden, etwa durch Rahmenwerke wie AIFMD II oder ELTIF 2.0.“
Aus Sicht von Dr. Markus Faulhaber liegt die zentrale Risikodimension daher weniger in einer systemischen Gefahr der Assetklasse als vielmehr in fundierter Analyse, disziplinierter Strukturierung und aktivem Management: „Private Debt erfordert ausgeprägtes Sektor-Know-how, stringente Underwriting-Disziplin und aktives Portfolio-Management. Eine starke Origination, erfahrene Teams und eine sorgfältige Covenants-Struktur tragen wesentlich dazu bei, Portfolios robust und widerstandsfähig aufzustellen.“
Private Debt ist eine Anlageklasse, die Investoren attraktive Renditen für Komplexität, Illiquidität und den hohen Analyse- und Strukturierungsaufwand bietet. In der Regel handelt es sich um individuell strukturierte und besicherte Darlehen, die historisch niedrigere Ausfallraten und höhere Recovery Rates aufweisen als Unternehmensanleihen vergleichbarer Kreditqualität. Umso wichtiger ist eine differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Marktsegmente und Fondsstrukturen innerhalb der Assetklasse.