Juli 2026
Entspannung an den Kapitalmärkten, Unsicherheit bleibt
Die EZB hat die Leitzinsen erhöht, während die Fed trotz hohen politischen Drucks an ihrem Kurs festhält. Gleichzeitig ist die Inflation in Deutschland im Juni überraschend deutlich zurückgegangen; im Euroraum bleibt sie mit 2,8 Prozent aber noch über dem Zielwert. Die langfristigen Zinsen sind nach dem Waffenstillstand im Iran wieder etwas gesunken, ohne dass der Konflikt gelöst wäre. Für die Immobilienfinanzierung bleibt das Umfeld anspruchsvoll, aber nicht blockiert.

Zinserhöhung war sinnvoll
Die jüngste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) war zum Zeitpunkt der Entscheidung vertretbar. Die Inflationsrisiken waren gestiegen, der Irankrieg hatte die Energiepreise belastet, und die EZB wollte nicht erneut den Eindruck erwecken, sie reagiere zu spät. Die neuen Inflationsdaten legen für die Zukunft jedoch andere Entscheidungen nahe.
In Deutschland liegt die Inflationsrate im Juni mit rund 2,3 Prozent wieder nahe am Ziel der EZB. Im Euroraum ist die Inflation zwar mit 2,8 Prozent noch deutlich höher, sie fiel aber niedriger aus als erwartet. Die Daten aus dem Euroraum sprechen aus unserer Sicht derzeit eher für ein Abwarten als für weitere Leitzinserhöhungen.
Das bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass wir die letzte Zinserhöhung als falsch ansehen. Die Inflationsgefahr ist keineswegs gebannt. Vor dem Hintergrund des anhaltenden Irankonflikts und der sich daraus ergebenden potenziellen Preissteigerungen in allen Bereichen war ein entschlossenes Signal der EZB für die Märkte, nicht zuletzt die Zinsmärkte, sehr wichtig.
Auch die Entscheidung der Fed, die Zinsen nicht zu erhöhen, ist kein Zeichen geldpolitischer Nachlässigkeit. Der politische Druck der aktuellen Regierung, die Zinsen zu senken, war erheblich. Dass die Fed die Leitzinsen unverändert ließ und ihr Inflationsziel betonte, ist eher ein Signal für Unabhängigkeit und Stabilitätsorientierung als für Zurückhaltung aus Schwäche.
Kapitalmarkt: Entspannung ohne Entwarnung
Die langfristigen Zinsen sind nach dem Waffenstillstand im Iran wieder etwas zurückgegangen. Auch die Ölpreise haben sich nach dem Waffenstillstand wieder beruhigt. Eine Entwarnung ist das aber nicht. Der Konflikt ist nicht beendet, sondern nur vorläufig eingehegt. Geopolitische Risiken wirken nicht nur über Energiepreise auf Inflation und damit auf die Zinsen. Sie beeinflussen Lieferketten, Verteidigungsausgaben, Investitionsentscheidungen und Risikoprämien. Gerade für langfristige Finanzierungen ist entscheidend, ob Kapitalmärkte höhere Unsicherheit dauerhaft einpreisen. Wesentlich ist auch die – noch immer exzellente – Bonität der Bundesrepublik Deutschland, da die Rendite der Bundesanleihen der wesentliche Referenzwert für die Konditionen langfristiger Bankkredite ist.
Für die Immobilienwirtschaft sind die Leitzinsentscheidungen der Zentralbanken weniger relevant als die Frage, ob sich das lange Ende der Zinskurve stabilisiert. Die Entwicklung im Juni zeigt diese Stabilisierung auf einen etwas geringerem Niveau. Mit einem deutlichen Zinsrückgang rechnen wir jedoch nicht.
Zinsentwicklung
Im Juni 2026 stiegen die kurzfristigen Geldmarktzinsen zunächst weiter an, während die langfristigen Zinsen im Monatsverlauf wieder nachgaben. Der 3-Monats-Euribor erhöhte sich von 2,25 Prozent zu Monatsbeginn auf Werte von zeitweise über 2,40 Prozent und lag zum Monatsende bei rund 2,32 Prozent. Der 6-Monats-Euribor bewegte sich überwiegend zwischen 2,52 und 2,64 Prozent und schloss bei rund 2,57 Prozent.
Auf der langen Seite zeigte sich ein anderes Bild. Der 10-Jahres-Swap lag zu Monatsbeginn noch bei rund 3,02 Prozent, stieg zwischenzeitlich auf gut 3,11 Prozent und ging gegen Monatsende auf etwa 2,90 Prozent zurück. Damit haben sich die langfristigen Zinsen nach dem Anstieg der Vormonate wieder etwas entspannt.
Diese Entwicklung passt zur aktuellen Lage. Die kurzfristigen Sätze spiegeln die restriktivere Geldpolitik der EZB wider. Das lange Ende reagiert dagegen stärker auf die Beruhigung der Energiepreise und die Erwartung, dass der Inflationsschub möglicherweise begrenzter ausfällt als zunächst befürchtet. Für Immobilienfinanzierungen ist das ein positives Signal, aber noch kein Wendepunkt.

Immobilienfinanzierung: Stimmung schlechter, Markt bleibt funktionsfähig
Das aktuelle BF.Quartalsbarometer Q2/2026 zeigt eine deutliche Verschlechterung der Stimmung unter den Immobilienfinanzierern. Verantwortlich sind vor allem der anhaltende Irankrieg, neue Inflations- und Zinssorgen sowie die weiterhin schwache Konjunktur. Gleichzeitig reagieren die Finanzierer vorsichtiger, prüfen intensiver und verlangen mehr Eigenkapital. Dies auch deswegen, weil die anhaltende Regulierungsspirale auch von den Banken immer mehr Eigenkapital verlangt und gleichzeitig der Spielraum für die Bewertung von Risiken einer Immobilienfinanzierung immer mehr eingeengt wird. Der Koalitionsausschuss hat zwar vor kurzem beschlossen, dass Banken für Wohnungskredite weniger Eigenkapital nachweisen müssen. Das gilt aber nur für die deutschen Sonderregelungen. Die gestiegenen Anforderungen des europäischen Regelwerks gelten weiterhin.
Ausblick
Der Rückgang der langfristigen Zinsen nach dem Waffenstillstand ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Nicht jede neue Unsicherheit führt zu einem dauerhaft höheren Zinsniveau. Wir müssen uns aber im Klaren sein, dass wir nunmehr dauerhaft in einer weltpolitischen Phase der Unsicherheit angekommen sind. Selbst wenn die Kriege in der Ukraine und dem Iran beendet sind, wird die alte Weltordnung nicht wiederkommen. In diesem Umfeld der andauernden Unsicherheit werden nun die unternehmerischen Entscheidungen getroffen werden müssen. Die mittel- oder gar langfristige Zinsprognose ist grundsätzlich schwierig; in diesem Umfeld wird das nicht leichter. Dennoch wagen wir die These, dass wir in diesem Jahr wesentlich niedrigere langfristige Zinsen für sehr unwahrscheinlich halten. Bei Bestandsfinanzierungen empfehlen wir daher eine langfristige Zinsfestschreibung, sofern das Projekt hierfür tragfähig ist. Weiterhin gilt in diesem Kontext, dass man mit der Ansprache der Finanzierungspartner derzeit nicht früh genug anfangen kann. Da die Banken derzeit sehr genau prüfen, ist auch eine sorgfältige und vollständige Aufbereitung der Unterlagen wichtiger denn je. Wer Risikoaufschläge vermeiden will, muss selbst maximale Transparenz liefern.
