September 2017

Ruhe an der Zinsfront

Vor dem traditionellen Gipfeltreffen der internationalen Zentralbanker im US-amerikanischen Jackson Hole waren viele Wissenschaftler, Marktteilnehmer und andere Experten der Meinung, dass noch im September mit einer Erhöhung der Zeitzinsen zu rechnen sei. Auch wenn wir uns sicherlich nicht kompetenter sehen, erschließt sich uns diese Auffassung nicht. Auf den Grundsatz, dass die Zinspolitik in den USA keinen unmittelbaren Einfluss auf die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank hat, haben wir an dieser Stelle schon wiederholt hingewiesen. An den makroökonomischen Bedingungen im Euroraum selbst haben sich unserem Erachten nach keine derart substantiellen Veränderungen ergeben, die Zinserhöhungen nahelegen würden.

Auf dem Markt für Immobilienfinanzierungen werden die alternativen Anbieter immer kompetitiver und bieten zunehmend aggressivere Konditionen an. Wir stellen zudem eine deutliche Professionalisierung fest, die unter anderem dazu führt, dass sowohl Mezzanine als auch Gesamtkredite (Whole Loan) angeboten werden können. Hierzu kooperieren die Kapitalsammelstellen häufig untereinander. Die guten Finanzierungsmöglichkeiten helfen jedoch oft nicht, da entsprechende Investitionsobjekte fehlen. Aufgrund der Euphorie für die Anlageklasse Wohnen – inklusive aller Sonderformen wie etwa Mikrowohnen – fehlt es an vielen Standorten zunehmend an Büros.

Finanzbarometer

Zinsentwicklung

Der Zehn-Jahres-Zinsswap sank im Monatsverlauf von einem vergleichsweise hohen Stand von 0,93 mit leichten Schwankungen wieder deutlich bis auf unter 0,80 Prozent. Der Sechs-Monats-Euribor blieb mit Werten zwischen -0,269 und -0,273 Prozent im Wesentlichen unverändert. Wie im Vormonat ergaben sich auch beim Drei-Monats-Euribor im Monatsverlauf nur kleine Schwankungen zwischen -0,328 und -0,331 Prozent.

Ausblick

EZB-Präsident Mario Draghi hat in Jackson Hole erneut bestätigt, dass noch längere Zeit eine expansive Geldpolitik notwendig sei. Wir rechnen daher auch nicht mit Erhöhungen der Leitzinsen am nächsten Zinstermin im September. Eine Verschlechterung der Konditionen ist allerdings dennoch möglich. Wenn alle Marktteilnehmer annehmen, dass die langfristigen Zinsen steigen, steigt entsprechend die Nachfrage nach Kreditverträgen mit langen Zinsbindungen. Durch diese erhöhte Nachfrage könnten wiederum die Zinsen steigen. Theoretisch kann somit allein die Annahme steigender Zinsen dazu führen, dass diese tatsächlich steigen – eine besondere Art der selbsterfüllenden Prophezeiung. Die leichten Zinserhöhungen Ende Juli sowie das grundsätzlich höhere Zinsniveau im Langfristbereich seit dem Zinstief im Oktober 2016 könnten hierauf zurückzuführen sein.

 

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