September 2015

Über Börsen, Bonds und Zinsen

Im August zeigte sich auf dem Transaktionsmarkt trotz Urlaubszeit wieder ein reges Interesse an B-Lagen. Die Banken leiden unter dem weiterhin angespannten Margendruck, freuen sich aber über ein umfangreiches Neugeschäft. Nicht wirklich der Normalzustand eines gesunden Immobilienmarktes, aber alles Elemente eines mittlerweile sehr vertrauten Szenarios.

Wesentliches Thema im August waren aber die Turbulenzen auf den Finanzmärkten –  und deren Auswirkungen auf die Zinsen. Die Stimmung auf den Aktienmärkten war wegen der angekündigten Leitzinserhöhungen in den USA ohnehin bereits angespannt. Die schlechten Konjunkturdaten aus China reichten dann offensichtlich aus, um den Kursverfall auszulösen. Aber auch die US-amerikanischen und europäischen Börsen gaben stark nach und haben sich noch nicht wieder erholt.

Warum sollte das Immobilieninvestoren interessieren? In unsicheren Zeiten verlässt das Kapital die Börsen und sucht nach einem sicheren Hafen. Und das sind noch immer deutsche Staatsanleihen. Wenn deren Kurse aber wegen großer Nachfrage steigen, sinkt deren Rendite. Entsprechend sind die Renditen der Staatsanleihen im August auch gesunken und hatten sich auch zum Monatsende noch nicht wieder erholt. Die Renditen deutscher Staatsanleihen sind wiederum die wichtigste Referenz für die langfristigen Kreditzinsen.

Für die angebotenen Kreditzinsen ließ sich dieser Zusammenhang auch beobachten. Aber der für gewerbliche Finanzierungen wichtige Zehn-Jahres-Zinsswap folgte im August der Entwicklung nur unvollständig. Der Tiefstand von 0,96 Prozent war nur 5 Basispunkte unter dem Monatsbeginn von 1,01 und gegen Ende des Monats stieg dieser auch wieder auf 1,04. Auch bei den kurzfristigen Zinsen gab es nur geringe Veränderungen. So sank der Drei-Monats-Euribor von  -0,023 auf  -0,033 und der Sechs-Monats-Euribor von 0,049 auf 0,039 Prozent.

Finanzbarometer

Leitzinsen in USA und Europa

Die Diskussion um die schädlichen Nebenwirkungen der Niedrigzinsen auf die Anlagemärkte ist durch die Kursverfälle auf den internationalen Finanzmärkten neu entfacht. Dennoch hat die Europäische Zentralbank (EZB) am 3. September die Leitzinsen unverändert gelassen und will auch das Ankaufsprogramm fortsetzen und nötigenfalls noch ausweiten. Auch wenn es weiterhin möglich ist, dass das Federal Reserve System (FED) noch im September den Leitzins erhöht, rechnen wir in 2015 nicht mehr mit vergleichbaren Reaktionen der EZB. Die Zinsen werden daher weiterhin niedrig bleiben. Die Marktunsicherheiten könnten sich aber in erhöhten Schwankungen niederschlagen.