September 2014

Zinsrisiken interessieren nicht

Aktuell wollen viele Investoren auf Absicherung des Zinsänderungsrisikos verzichten. Offensichtlich haben sich die Marktteilnehmer nicht nur an niedrige Zinsen gewöhnt, sondern sie rechnen in den nächsten Jahren auch nicht mit steigenden Zinsen. Allein die Banken bestehen auf einer Mindestabsicherung gegen größere Zinsänderungsrisiken. Hierbei sind Swaps aus bilanziellen Gründen meist unbeliebt. Häufig werden stattdessen Caps gewählt, wobei die finanzierenden Banken sich in der Regel mit einer Absicherung gegen einen Euribor von 2,0 oder sogar 2,5 Prozent zufrieden geben. Da diese Werte von dem aktuellen Zinsniveau von etwa 0,3 Prozent weit entfernt sind, sind derartige Zinsabsicherungsinstrumente auch recht billig.

Finanzbarometer

Alles spricht gegen Leitzinserhöhung

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in Ihrer letzten Sitzung nicht nur angekündigt, die Leitzinsen auf dem derzeit niedrigen Niveau zu lassen. Sie sei weiterhin auch bereit, zusätzlich zu „unkonventionellen“ Maßnahmen zu greifen, um die Inflation zu erhöhen. Somit ist zu rechnen, dass beispielsweise durch Aufkauf von Kreditpaketen von Banken auch die langfristigen Zinsen beeinflusst werden sollen. Immer mehr geraten auch die geopolitischen Risiken in den Fokus der EZB. Die Konflikte in der Ukraine, in Syrien und im Irak wirken zum einen direkt auf Konjunktur und Konjunkturerwartungen. Zum anderen werden zusätzliche Auswirkungen durch die immer weitergehenden Sanktionen gegenüber Russland erwartet. Auch in Deutschland sehen aktuell viele Analysten die Gefahr einer Rezession. In nächster Zeit ist daher mit Leitzinserhöhungen der EZB wohl nicht zu rechnen. Allerdings orientiert sich der Markt nicht nur an den Leitzinsen. Höhere makroökonomische und geopolitische Risiken können durchaus auch zu Zinserhöhungen an den Kapitalmärkten führen. Wir erwarten in diesem Jahr aber keine wesentlichen Veränderungen des Zinsniveaus.

Erneuter Niedrigzins-Rekord

Die Zinsen sind im August den dritten Monat in Folge weiter gesunken. Der 10-Jahres-Zinsswap sank seit Anfang August von 1,42 auf nunmehr 1,20  Prozent. Der Drei-Monats-Euribor gab gegenüber dem Monatsanfangswert von 0,208 um 0,025 auf nunmehr 0,183 Prozent. Auch der Sechs-Monats-Euribor sank im vergleichbaren Ausmaß.

Herausgeber

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Prof. Dr. Steffen Sebastian
Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung
an der IREBS, Universität Regensburg