Oktober 2015

Bankbilanzen schrumpfen, der Kapitalmarkt wächst

In den Niederungen des Alltagsgeschäfts kämpfen die Banken weiterhin mit niedrigen Margen und sinkendem Finanzierungsvolumen. Manch ein Vorstand versucht, das Geschäftsmodell weg vom Neugeschäft und hin zur Wahrung des Bestands auszurichten. Da Objekt und Eigentümer bekannt sind, könnte so mit den niedrigen Margen noch Geld verdient werden. Dennoch gelingt es meist nicht, die Ablösungen durch Neugeschäft und Verlängerungen zu kompensieren. Oftmals ist die Ursache, dass sich große Unternehmen am Kapitalmarkt zu gleichen Zinskonditionen bei gleichzeitig flexibleren Convenants finanzieren können.

Trotz der schwierigen Bedingungen zeigt sich keine Tendenz zu unvorsichtigen Finanzierungen. Der Markt nimmt zwar jede vernünftige B-Lage unproblematisch auf, aber überraschenderweise ist nach der jüngsten Ausgabe des German Debt Project der IREBS der Anteil an Finanzierungen in den A Städten wieder auf 66 Prozent gestiegen. Als Grund wird die nachhaltige Konkurrenz der Sparkassen und Volksbanken vermutet, die in kleineren Städten oftmals die bessere Ausgangslage haben.

Finanzbarometer

FED entscheidet wieder nicht

Die US-amerikanischen Notenbanken, das Federal Reserve System (FED), hat am 17. September über eine Leitzinserhöhung beraten. Und sie traut sich doch nicht. Warum auch? Das Problem der Staatsfinanzen ist international weiterhin ungelöst, die Konjunktur lahmt und nur die Arbeitslosenzahlen sind positiv. Wer aber die Entscheidung der FED wirklich verstehen will, muss zudem berücksichtigen, dass die Amerikaner die typische deutsche Angst vor Inflation nicht kennen. Aufgrund der US-amerikanischen Erfahrungen mit der Wirtschaftskrise der 30er Jahre fürchten sich die Amerikaner viel stärker vor Deflation. Insofern haben in Anbetracht einer Inflationsrate von 0,2 Prozent nur wenige mit einer Erhöhung der Zinsen gerechnet, obwohl die Geldpolitik in USA derzeit deutlich exzessiver ist als in Europa.
Die Zinsentwicklung zeigte im September wieder fallende Tendenzen. Der Zehn-Jahres-Zinswap sank von 1,11 auf 1,01 Prozent. Am kurzen Ende fiel der Drei-Monats-Euribor leicht von  -0,033 auf  -0,041, der Sechs-Monats-Euribor von 0,039 auf 0,033 Prozent.

Keine Zinswende in Sicht

Interessant ist die Reaktion der Börsen auf die erneute Verschiebung der US-amerikanischen Leitzinsen: Die Kurse sind gesunken, obwohl üblicherweise die Märkte positiv auf niedrige Zinsen reagieren. Offensichtlich ist das auch keine gute Nachricht mehr. Ob die FED sich an ihrem nächsten Zinstermin im Dezember endlich zu einer Zinserhöhung durchringen kann, bleibt naturgemäß ungewiss. Allerdings hat zwischenzeitlich die Direktorin der FED eine Zinserhöhung angekündigt – unter dem üblichen Vorbehalt einer weiterhin positiven Wirtschaftsentwicklung. Unabhängig davon, wie die Entscheidung der FED im Dezember ausgehen wird, rechnen wir nicht mit einer echten Zinswende, sondern mit weiterhin niedrigem Zinsniveau.  Eine mögliche Zinserhöhung wäre eher ein Test, wie die Aktien- und Bondkurse reagieren.