Mai 2015

Der Kapitalmarkt kommt nach Deutschland

Deutschland gilt nach der wissenschaftlichen Definition als typisches bankenbasiertes Finanzsystem –  im Gegensatz zu den angelsächsischen Welten. Im Moment fangen die Banken jedoch an zu jammern, da auch in Deutschland der Kapitalmarkt gerade bei den finanzstarken Kunden eine große Konkurrenz darstellt.

Grand City hat eine Hybridanleihe von 400 Mio. Euro vergeben. Deutsche Annington leiht sich 600 Mio. Euro und Adler hat mit 300 Mio. Euro kürzlich ebenfalls eine große Anleihe platziert. Insbesondere die Unternehmen, die neben der Börsenzulassung auch noch ein Moody-Rating aufweisen, können sich Konditionen zwischen 1,0 und 1,5 Prozent langfristig sichern. Zusätzlich sind die Immobilienunternehmen mit einer Kapitalmarktfinanzierung unabhängig von den Genehmigungsprozessen der Banken. Da Convenants in Anleihen in der Regel sehr weit gefasst sind, kann damit schnell und flexibel am Markt eingekauft werden. Entsprechend ist es auch die Strategie vieler Marktteilnehmer jetzt noch viel Fremdkapital am Markt aufzunehmen und möglichst viele Transaktionen umzusetzen. Die Bestandsoptimierung kann dann erst einmal warten.

Finanzbarometer

Banken gut, alles gut

Banken sind das Herz einer jeden Marktwirtschaft. Nicht umsonst haben die Nationen quer um den Globus herum während der Finanzkrise alles getan, um die Insolvenz von Banken zu verhindern. Im Europäischen Währungsraum hat die Europäische Zentralbank (EZB) letztes Jahr große Anstrengungen unternommen, um alle großen Banken einem Stresstest zu unterziehen. Das Ergebnis war überraschend gut. Der Finanzbedarf einiger Banken in Südeuropa ist zwar substantiell, aber in der Höhe wohl kaum substanzgefährdend. Alles ist gut in Europas Bankenwelt.

Vor diesem Hintergrund irritiert jedoch eine kürzlich erfolgte Anfrage aus Brüssel an die Regierungen einiger, wiederum südeuropäischer Staaten. Die Regierungen werden um Auskunft gebeten, ob Banken tatsächlich die Möglichkeit eingeräumt werde, Verlustvorträge als Teil des harten Kernkapitals zu buchen. Teilweise – so die Presse – sollen diese bis zu 40 Prozent des Eigenkapitals ausmachen. Zusätzlich befremdend, dass diese Anfrage ausgerechnet von der Kommission Wettbewerb kommt. Sicherlich ist Aufrechterhaltung des fairen Wettbewerbs auch unter den Banken ein wertvolles Gut. Aber hätte dies nicht zuerst der EZB oder der nationalen Finanzaufsicht auffallen sollen? Oder wenigstens dem zuständigen Kommissar für Finanzstabilität? Dazu passt der jüngste Bericht des Internationalen Währungsfonds zur globalen Finanzmarktstabilität. Das wenig überraschende Fazit: Die Finanzkrise ist noch lange nicht vorbei und die Gefahr eines erneuten Zusammenbruchs ist weiterhin gegeben. 

Zinsensenkung

Der 10-Jahres-Zinsswap sank im April von 0,57 weiter auf 0,52 Prozent. Auch im kurzfristigen Bereich sank der Drei-Monats-Euribor nochmals von 0,018 auf -0,002 Prozent und ist damit wie erwartet als Reaktion auf den „Strafzins“ der EZB erstmals negativ. Der Sechs-Monats-Euribor sank von 0,088 auf 0,067 Prozent.

Aktuell können wir an den Terminmärken keine Anzeichen für steigende Zinsen erkennen und sehen auch aufgrund der Entwicklung von Konjunktur und Inflation keinen Spielraum für signifikante Leitzinserhöhungen. Nach unserer Einschätzung ist daher weiter mit konstant niedrigen oder leicht sinkenden Zinsen zu rechnen.

Herausgeber

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Prof. Dr. Steffen Sebastian
Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung
an der IREBS, Universität Regensburg