März 2017

ZIA-Frühjahresgutachten: Expertenstreit verstärkt Nervosität

Das regelmäßig im Auftrag des Zentralen Immobilienausschuss erstellte Frühjahresgutachten des sogenannten „Rats der Immobilienweisen“ genießt bei der Praxis und Presse der Immobilienwirtschaft seit langem große Aufmerksamkeit. Entsprechend umfangreich war das Presseecho nach der Veröffentlichung des Gutachtens. „In Hamburg und Berlin könnte die Immobilienblase platzen“, titelte beispielsweise das Manager Magazin. Auch wenn im Gutachten selbst sehr viel differenzierter argumentiert und beispielsweise die Existenz einer Blase ausdrücklich in Frage gestellt wird, führt die Vielzahl der Negativnachrichten in der Presse zu einer deutlichen Verunsicherung vieler Markteilnehmer. Auch das kreditgebende Gewerbe reagierte nervös, was in Folge sogar dazu führte, dass der Abschluss einzelner Transaktionen zwischenzeitlich gefährdet war. Des Weiteren sind die Aussagen des Gutachtens auch von Seiten anderer Branchenvertreter mittlerweile kritisiert und angezweifelt worden.

Wir halten die Kritik weitgehend für gerechtfertigt. Insbesondere sind wir der Auffassung, dass komplexe Märkte, wie etwa Berlin, nicht pauschal betrachtet werden können. Hier muss nach einzelnen Lagen differenziert werden. Dennoch zeigt die drastische Reaktion auf das Gutachten von Seiten der Finanzierer, der Projektentwickler und Investoren sowie die Berichterstattung unseres Erachtens dennoch auf, dass die Nervosität am Markt sehr groß ist.

Finanzbarometer

Zinsentwicklung

Die langfristigen Zinsen sind im Februar leicht gesunken. Der Zehn-Jahres-Zinsswap betrug am Monatsanfang 0,84 Prozent und sank bis zum Monatsende auf 0,69 Prozent. Der Sechs-Monats-Euribor blieb mit -0,238 Prozent nur unwesentlich unter dem Wert zu Monatsanfang -0,244 und somit weitgehend konstant. Ebenso blieb der Drei-Monats-Euribor im gesamten Monatsverlauf kontant mit Werten zwischen -0,328 und -0,330.

Ausblick

Die Diskussion um eine mögliche Immobilienblase ist bereits seit mehreren Jahren von ungebrochener Aktualität. Es dürfte sich allgemein herumgesprochen haben, dass weitere Preissteigerungen immer unwahrscheinlicher werden und dass zunehmend auch mit negativen Wertänderungen zu rechnen ist. Wann genau jedoch der Punkt erreicht ist, an dem die Trendwende einsetzt, bestimmen allerdings weder Wissenschaftler noch Statistiker, sondern die nur bedingt rationalen Entscheidungen der Marktteilnehmer. Aus unserer Sicht ist die wahrscheinlichste Entwicklung, dass die Preise mittelfristig auf hohem Niveau verharren. Dass die Preise einbrechen, ohne dass zuvor die Zinsen signifikant steigen, halten wir hingegen für unwahrscheinlich.

 

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