März 2016

Warten auf den Schwarzen Schwan

Aktuell sind wir einmal mehr auf einem Krisenhöhepunkt. Bekanntermaßen schwächelt das Wachstum in China, die Erholung in den USA ist nicht mehr stabil und Russland leidet weiterhin am niedrigen Ölpreis. Zudem gibt es weder in Europa noch in Japan Anzeichen dafür, dass die Krise noch in dieser Dekade überwunden werden könnte. Auch die Staatsfinanzen in Europa sind weiterhin in einem schlechten Zustand: Die Verschuldung nimmt bei den meisten Mitgliedstaaten zu, ähnlich sieht es mit den Haushaltsdefiziten aus. Auch die Stabilität der europäischen Banken ist alles andere als gesichert. Deutschland ist zwar weiterhin die Insel der Glückseligen, allerdings erhöht im Moment die Flüchtlingskrise das Risiko einer deutlichen Verschlechterung der Staatsfinanzen. Die längst in Vergessenheit geratenen Maastricht-Kriterien erfüllen ohnehin nur noch einige wenige der kleineren Mitgliedsstaaten. Die Liste ließe sich fortführen. Entsprechend war die Renditeentwicklung auf den Aktienmärkten seit Jahresbeginn negativ. Gold hingegen, der traditionelle sichere Hafen, hat im gleichen Zeitraum deutlich zugelegt. Von Zinserhöhungen oder gar Zinswende ist weder in den USA noch in anderen Industriestaaten die Rede.
Also alles ganz normale Dauerkrise. Für die Immobilienbranche war dies in der Vergangenheit eigentlich immer ein Grund für Zuversicht. Tatsächlich rechnen die meisten Marktteilnehmer auch mit steigenden oder zumindest stabilen Preisen. Dennoch ist die Nervosität weiterhin groß. Viele Investoren möchten nicht nur die eigentliche Transaktion, sondern auch vor allem die dazugehörige Finanzierung in Maximalgeschwindigkeit abwickeln. Hierbei hat sich die Bereitschaft zu Zugeständnissen bei den Konditionen nochmals deutlich erhöht.
Ursache ist die Angst vor einem weiteren „Schwarzen Schwan“. In der Risikoanalyse ist dies ein Ereignis mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit, welches zwar niemand erwartet, das aber starke Auswirkungen auf den Markt hat. Die Finanzkrise von 2007/08 lässt sich als solches Ereignis charakterisieren. Hierbei haben die wenigsten Investoren tatsächlich Angst vor einer neuen Weltwirtschaftskrise. Vielmehr besteht die Befürchtung, dass aktuell ein kleiner Anlass ausreichen könnte, um die Banken zu veranlassen, neue Finanzierungsgeschäfte für mehrere Wochen einzustellen. Wer dann einen Kaufvertrag erfüllen müsste, würde in ernsthafte Schwierigkeiten gelangen.

Finanzbarometer

Zinsentwicklung

Im Februar sind die Zinsen nochmals leicht gesunken. Der Zehn-Jahres-Zinswap gab gegenüber dem Stand am Monatsanfang nochmals um 18 Basispunkte von 0,70 auf 0,52 Prozent nach und hat sich damit seit Jahresanfang nahezu halbiert. Der Sechs-Monats-Euribor sank von -0,094 auf -0,134 Prozent. Gleichfalls sank der Drei-Monats-Euribor weiter von -0,162 auf -0,205 Prozent.

Kein Schwarzer Schwan

Wenn alle auf ein unwahrscheinliches und unerwartetes Ereignis warten, ist das dann noch ein „Schwarzer Schwan“? Und wäre eine erneute Störung des Finanzsystems wirklich ein unwahrscheinliches Ereignis? Die Analysen verschiedener supranationaler Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank oder der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben bislang noch keine Entwarnung gegeben, sondern weisen vielmehr weiterhin auf die Existenz von substantiellen Risiken für die der Stabilität der Finanzsysteme hin. Dennoch besteht unseres Erachtens aktuell kein Anlass, von einem akut gestiegenen Risiko auszugehen. Die zuverlässige Abwicklung einer Immobilienfinanzierung sollte selbstverständlich weiterhin ein wichtiges Kriterium sein. Es besteht jedoch aus unserer Sicht kein Anlass, deswegen auf die Verhandlung angemessener Konditionen zu verzichten.