Juni 2015

Zinskorrektur oder Zinswende

Im Moment scheint der Markt außer der jüngsten Zinserhöhung kein Thema zu kennen. Naturgemäß stellt sich die Frage, ob dieser Zinssprung eine nachhaltige Entwicklung oder sogar der Anfang einer Zinswende ist. Die vorherrschende Meinung ist allerdings, dass eine Überbewertung deutscher Staatsanleihen seit langem vorlag und dass der Minicrash, den wir beobachtet haben, nur eine Kurskorrektur darstellt. Diese ist seit nunmehr etwa drei Wochen stabil, was darauf hindeutet, dass der Markt diese Korrektur nicht als übertrieben bewertet. Ein Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank interpretierte hingegen die starken Kursschwankungen als ein Problem, dessen Ursache in zu niedriger Liquidität des Segments für deutsche Staatsanleihen liege.

Wir erhalten im Moment viele Anfragen, ob es nun erforderlich sei, das aktuelle Zinsniveau langfristig zu sichern. Wir sehen in der aktuellen Marktphase aber keinen Grund für übereilte Entscheidungen. Selbstverständlich ist es weiterhin erforderlich, den Markt zu beobachten. Und wie bisher ist es auch weiterhin sinnvoll, Zinsobergrenzen mit Caps abzusichern. Jedes Portfolio hat seine natürlichen Grenzen und diese sollten in jedem Fall abgesichert sein. Dies ist auch nach dem Zinssprung noch zu geringen Kosten möglich.

Auch die Reaktion der Banken zeigt uns, dass diese keinen dringenden Handlungsbedarf sehen. Allen Kreditgebern ist es aktuell vor allem wichtig, sich gegen einen negativen Euribor abzusichern. Daher wird in neuen Verträgen ein Referenzzinssatz von weniger als null regelmäßig ausgeschlossen. Auf eine Absicherung des Risikos steigender Zinsen legen Banken hingegen wenig Wert.

Finanzbarometer

Zinssenkung

Der 10-Jahres-Zinsswap stieg am 6. Mai, von 0,76 auf 0,87 und am Tag darauf auf 0,94 Prozent. Am 12. Mai wurde mit 1,02 Prozent der höchste Stand erreicht. Zum Monatsende stabilisierte sich der Wert bei 0,91 Prozent. Im kurzfristigen Bereich gaben die Zinsen hingegen erneut nach. Der Drei-Monats-Euribor sank von -0,007 auf -0,013 Prozent, der Sechs-Monats-Euribor von 0,064 auf 0,049 Prozent.

Aufgrund der Entwicklung von Konjunktur und Inflation in Europa sehen wir weiterhin keinen Spielraum für signifikante Leitzinserhöhungen. Auch führen die Situation in Griechenland, die Unterkapitalisierung der Banken und die angespannten Staatsfinanzen in Südeuropa weiterhin zu einer fragilen Kapitalmarktstabilität. Eigentlich würde dies Risikozuschläge auf die Zinsen rechtfertigen. Allerdings wird hierin wahrscheinlich eine Rechtfertigung für eine Fortsetzung der globalen expansiven Geldpolitik und weiterer Stützungsmaßnahmen gesehen, was in Summe weiterhin niedrige Zinsen erwarten lässt.

Die jüngste Zinskorrektur ist unserer Ansicht nach daher eher als eine Korrektur des Zinsniveaus zu bewerten und nicht als Beginn einer Zinswende. Wir erwarten daher auch weiter ein niedriges Zinsniveau. Allerdings ist damit zu rechnen, dass sich die langfristigen Zinsen auf dem aktuellen Niveau stabilisieren.

Herausgeber

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Prof. Dr. Steffen Sebastian
Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung
an der IREBS, Universität Regensburg