Juli 2015

Unsicherheit über Griechenland trifft auch die Immobilienwirtschaft

Im Juni waren manche Teilnehmer wie gelähmt durch die Unsicherheiten durch Griechenland und das Orakeln um eine mögliche Zinswende. Der Entscheidungshorizont war bei vielen nicht länger als vier Wochen. Viele Immobilieninvestoren haben jedoch die aktuelle Situation zum Anlass genommen, ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten mittels Swaps abzusichern.

Das Thema Griechenland konnte auch schon vor der jüngsten Eskalation keiner mehr hören. Notgedrungen muss sich aber jeder spätestens jetzt eben doch damit beschäftigen. Nicht weniger als die Stabilität des europäischen, wenn nicht weltweiten Finanzsystems wird hier erneut auf die Probe gestellt. Zwar sind nationale und internationale Verflechtungen von Staaten und Banken und damit auch die Ansteckungsgefahren deutlich kleiner als 2008. Aber werden sich die Märkte in der nächsten Krise wirklich davon überzeugen lassen, dass der Austritt eines Landes wie Italien oder Frankreich aus dem Währungssystem ausgeschlossen ist?

Obwohl das Desaster in Griechenland dramatische menschliche und politische Konsequenzen haben wird, müssen sich Verantwortliche in der Immobilienwirtschaft vor allem mit den Auswirkungen für die Finanz- und Immobilienmärkte beschäftigen. Die nur geringen Ausschläge an den Aktienmärkten belegen, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer das Risiko bereits eingepreist hatten. Die Unsicherheiten der nächsten Wochen werden aber sicher noch weitere Schwankungen an den Finanzmärkten mit sich bringen. Davon sind die Bondsmärkte und somit auch die langfristigen Zinsen nicht ausgeschlossen.

Finanzbarometer

Zinssenkungen sind möglich

Nach dem bisherigen Höchststand des 10-Jahres-Swaps am 12. Mai von 1,02 Prozent sank dieser zum Monatsanfang auf 0,86 Prozent. Bis zum 10. Juni stieg dieser dann wieder auf 1,35 und sank zum Monatsende auf 1,19 Prozent. Der kurzfristige Bereich war hingegen vergleichsweise stabil. Der Drei-Monats-Euribor war konstant im negativen Bereich, der Sechs-Monats-Euribor schwankte zwischen 0,048 und 0,050 Prozent.

Seit dem Zinssprung im Mai sind zwischenzeitlich die Zinsen auch wieder gesunken, wenngleich nicht auf frühere Tiefstände. Seitdem herrscht der Meinungskrieg über den Beginn oder Nichtbeginn einer Zinswende. Wir sind der Meinung, dass mittelfristig weiterhin das Handeln der Europäischen Zentralbank (EZB) einen wesentlichen Einfluss auf die Zinsen haben wird. Das Zinsniveau wird daher bis auf weiteres niedrig bleiben, wobei kurzfristige Abweichungen möglich sind.

Können die Zinsen auch wieder sinken? Hierzu müssten neben der EZB weitere Käufer von deutschen Anleihen auf dem Markt erscheinen. Vor dem Hintergrund der Situation in Griechenland ist es durchaus möglich, dass im weiteren Verlauf der Griechenland-Krise Anleihen aus anderen europäischen Südländern zugunsten von deutschen Staatsanleihen umgeschichtet werden. Als weitere Story kursiert im Moment, dass US-amerikanische Investmentbanken damit rechnen, dass die Schweizerische Zentralbank noch im Laufe des Jahres interveniert, um die Aufwertung des Schweizer Franken abzumildern. Auch hier wäre der Ankauf von deutschen Staatsanleihen eine wahrscheinliche Option. Kurzzeitige Zinssenkungen sind also zumindest theoretisch denkbar.

 

Herausgeber

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Prof. Dr. Steffen Sebastian
Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung
an der IREBS, Universität Regensburg