Januar 2015

Grenzen des Wachstums

Zu dem umstrittenen Thema der Existenz oder Nichtexistenz einer Immobilienblase in Deutschland hat sich wohl mittlerweile jeder Marktteilnehmer eine Meinung gebildet. Wie auch immer man den aktuellen Zustand der Märkte benennen möchte: Aus unserer Sicht ist aktuell zu beobachten, dass die Schmerzgrenze in vielen Märkten ausgereizt ist. Kapitalanleger akzeptieren noch im Münchner und Berliner Wohnungsmarkt weiterhin niedrigere Renditen, in anderen Fällen werden die Preisvorstellungen der Verkäufer oftmals nicht mehr akzeptiert und Beurkundungstermine häufig noch kurzfristig abgesagt. Nach unserer Wahrnehmung findet eine deutliche Verlangsamung der Dynamik statt, allerdings auf hohem Preisniveau.

Finanzbarometer

Diskussion um Blasenbildung

In der Vergangenheit haben verschiedenste Institutionen Warnungen über die Preisentwicklungen in den deutschen Großstädten ausgesprochen, neben der Bundesbank, dem Finanzministerium, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) auch einige Wissenschaftler, darunter jüngst das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Meist wurde hierbei von "Preisübertreibungen" oder "Gefahren" gesprochen. Das Wort "Immobilienblase" wurde dabei, wenn überhaupt, nur mit Einschränkungen verwendet. Meist handelt es sich hier aber mehr um Semantik als um tatsächlich unterschiedliche Erkenntnisse. Aus wissenschaftlicher Sicht kann eine Immobilienblase dann vorliegen, wenn es Entwicklungen bei den Immobilienpreisen gibt, die sich mit bestimmten statistischen bzw. ökonometrischen Modellen nicht mehr erklären lassen. Damit ist aber nicht auch notwendigerweise ein Katastrophenszenario verbunden.

Problematisch ist bei allen Aussagen, dass die Wissenschaft vielleicht zuweilen genauer in der Analyse ist, der Praxis bzw. der Gegenwart immer recht weit hinterher ist. Die schlechte Datenlage in Deutschland verschärft das Problem, sodass eine genaue Diagnose des Zustandes der Immobilienmärkte nicht möglich ist. Für Investoren bedeutet die Diskussion um die Immobilienblase aus unserer Sicht nur, dass das Risiko von Preissenkungen zugenommen hat und verstärkt in die Risikobetrachtung einbezogen werden sollten. In Anbetracht des voraussichtlich dauerhaft niedrigen Zinsniveaus ist das wahrscheinlichste Szenario jedoch eine stabile Preisentwicklung.

Weiter sinkende Zinsen

Die Zinsen bewegten sich weiterhin im Wesentlichen seitwärts mit leicht fallender Tendenz. Der 10-Jahres-Zinsswap ist zum Monatsende nochmals um 15 Basispunkte auf 0,85 Prozent gesunken. Der Drei-Monats-Euribor schwankte im Dezember zwischen 0,082 und 0,079 Prozent und damit leicht unter dem Niveau des Vormonats. Auch der Sechs-Monats-Euribor liegt mit 0,172 Prozent zum Jahresende nochmals niedriger als Ende November.

Herausgeber

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Prof. Dr. Steffen Sebastian
Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung
an der IREBS, Universität Regensburg