Februar 2015

Unsicherheit bestimmt die Märkte

In früheren Zeiten haben wir häufig Finanzierungen mit Schweizer Franken empfohlen. Rückblickend haben wir diese Form des Engagements zuweilen vielleicht einen Moment zu früh beendet. Seit langem raten wir aber von einer Immobilienfinanzierung in Schweizer Franken ab und haben – zufällig – erst eine Woche vor der Freigabe der Kurse für einen Kunden eine substanzielle Finanzierung auf Eurobasis umgestellt. Wir nehmen nicht für uns in Anspruch, den Zeitpunkt der Entscheidung der Schweizer Nationalbank vorhergesehen zu haben. Aber nicht nur für uns war seit längerem klar, dass das Wechselkursrisiko hoch war.

Diejenigen, die die Gefahren anders eingeschätzt haben, sehen sich nun in vielen Fällen existenziellen Problemen gegenüber. Zunächst ist in derartigen Stressfällen meist keine unmittelbare Eile mehr geboten. Es bringt nach dem Kursverfall nichts mehr, überhastet aus einer frankenbasierten Finanzierung auszusteigen. Es bleibt nur der Weg, in den Dialog mit den Banken einzutreten und die Sicherheiten zu diskutieren.

In den letzten Wochen hatten wir den Eindruck, dass die anhaltenden Unsicherheiten wie ein Brandbeschleuniger auf die Immobilienmärkte wirken. Die Beunruhigung ist groß, manche Marktteilnehmer fürchten nunmehr steigende Zinsen. In unsicheren Zeiten suchen viele den sichereren Hafen, auch wenn der für Verkäufer und Käufer mitunter anders aussieht. Beiden Gruppen ist gemeinsam, dass sie anstehende Transaktionen nunmehr sehr schnell abschließen möchten, bevor sich die Marktbedingungen erneut ändern. Während die erste Januarwoche noch sehr ruhig war, herrschte anschließend eine Betriebsamkeit wie zum Jahresendgeschäft.

Finanzbarometer

Finanzmärkte unter Stress

Gleich drei Events haben die Finanzmärkte umgetrieben: Zum einen die Freigabe des Kurses des Schweizer Franken, die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) für den Ankauf langfristiger Finanztitel und der Ausgang der Wahlen in Griechenland. Allen drei Vorgängen ist jedoch gemeinsam, dass sie nicht wirklich überraschend kamen. Bei der Entscheidung der Schweizer Nationalbank überraschte vor allem der Zeitpunkt. Die EZB hatte seit längerem angekündigt, dass sie über einen Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen nachdenken. Die einzige Neuigkeit war hier das unerwartet hohe Volumen der Maßnahme. Am wenigsten zeigten sich die Märkte vom Ausgang der Wahlen in Griechenland beeindruckt. Hierfür gibt es gleich mehrere Gründe. Die Politik ist der Ansicht, dass sich das Europäische Währungssystem durch die strukturellen Änderungen stabilisiert habe und ein Ausfall Griechenlands nur geringe Folgen hätte. Andere nehmen die Wahlkampfversprechen der neuen griechischen Regierung nicht weiter ernst und prognostizieren trotz aller Parolen politische Kontinuität. Aus unserer Sicht ist noch ein dritter Faktor wesentlich: Im Jahre 8 der Finanzkrise haben sich die Märkte an anhaltende Unsicherheiten gewöhnt und sind von kleineren Unruhen nicht mehr zu beeindrucken.

Dennoch bleibt die Lage an den Finanzmärkten weiterhin angespannt. Dies nicht nur wegen zunehmender Blasengefahr auf allen Anlagemärkten, sondern auch wegen des steigenden Renditedrucks bei den Lebensversicherern und den sinkenden Margen im Bankgeschäft. Die globalen Risiken kommen ergänzend hinzu. Im Moment werden die Zinsmärkte dennoch vor allem von der Entscheidung der EZB beeinflusst. Nunmehr kann die EZB erstmals die langfristigen Zinsen – und damit die Refinanzierung der Banken – durch den Anlauf entsprechender Finanztitel direkt beeinflussen. Wir bezweifeln zwar, dass die Maßnahme den gewünschten Effekt auf die Konjunktur insbesondere in den südeuropäischen Ländern haben wird. Sehr sicher sind wir uns aber, dass auf mittlerer Sicht nicht mit steigenden Zinsen zu rechnen ist.

Noch weiter sinkende Zinsen

Jeden Monat wird man von neuem überrascht, dass die Zinsen noch ein Stück weiter sinken konnten. Der Januar war hier keine Ausnahme. Der 10-Jahres -Zinsswap sank gegenüber dem Vormonatsende nochmals um 12 Basispunkte auf 0,73 Prozent. Der Drei-Monats-Euribor sank von 0,076 auf 0,054 Prozent. Auch der Sechs -Monats-Euribor sank nochmals von 0,169 auf 0,132 Prozent.

Herausgeber

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Francesco Fedele CEO, BF.direkt AG

Prof. Dr. Steffen Sebastian
Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung
an der IREBS, Universität Regensburg