Dezember 2017

 

EZB hat Angst vor Klage

Die jüngste Entscheidung der EZB sehen viele als Beginn der Zinswende. Einiges spricht aber dafür, dass die Aktionen der Zentralbank eher von rechtlichen Erwägungen bestimmt wurden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in ihrer letzten Sitzung Ende Oktober beschlossen, ab Januar 2018 monatlich nur noch im Volumen von 30 Mrd. Euro Anleihen aufzukaufen. Bis zum Jahresende sollen weiterhin monatlich 60 Mrd. Euro erworben werden. Von einigen Marktteilnehmern wird dies bereits als Beginn der Zinswende interpretiert. Viele Argumente sprechen jedoch dagegen. Zum einen sind die Leitzinsen unverändert auf ihrem niedrigen Niveau geblieben. Zum anderen wird das Ankaufsprogramm mindestens bis September 2018 fortgesetzt, d.h. eigentlich auf unbegrenzte Zeit. Weiterhin hat sich die EZB ausdrücklich vorbehalten, das Ankaufsvolumen auch wieder auszuweiten, sofern dies aufgrund der Entwicklung von Inflation und Konjunktur für notwendig erachtet wird.

Die Reduktion des Ankaufsvolumens hat unseres Erachtens vorwiegend rechtliche Gründe. Die EZB hält von manchen Staaten des Euroraums bereits jetzt nahezu ein Drittel der gesamten Staatsverschuldung. Diese Ein-Drittel-Grenze ist aber in verschiedenen Gerichtsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof relevant. Überschreitet die EZB diese Grenze, muss sie ernsthaft befürchten, dass ihr Ankaufsprogramm als verbotene Staatsfinanzierung qualifiziert und damit insgesamt rechtswidrig wird.

In jedem Fall hat die Entscheidung der EZB auf dem Immobilienmarkt nicht zu einem Nachlassen der Euphorie geführt. Nahezu alles, was derzeit angeboten wird, wird auch gekauft – und findet derzeit auch weitgehend problemlos eine Finanzierung. Allerdings sind unserer Beobachtung nach einige Marktteilnehmer, darunter vorwiegend ausländische Investoren, der Ansicht, dass der Zenit bereits erreicht oder zumindest nicht mehr weit entfernt ist. Anstatt die letzten noch möglichen Preissteigerungen auszureizen, entscheiden sich diese bereits jetzt für den Exit.

Finanzbarometer

Zinsentwicklung

Der Zehn-Jahres-Zinsswap schwankte im Monatsverlauf zwischen 0,81 und 0,87 und endete mit 0,82 etwas niedriger als zu Monatsbeginn. Der Sechs-Monats-Euribor blieb mit Werten zwischen -0,271 und -0,276 Prozent weiterhin im Wesentlichen unverändert. Der Drei-Monats-Euribor verharrte im Monatsverlauf bei ‑0,329 Prozent.

Ausblick

Die EZB kann die Zinshöhe im kurzfristigen Bereich sehr effektiv beeinflussen. Da die Leitzinsen unverändert auf dem niedrigen Niveau belassen wurden, rechnen wir bei kurzen Laufzeiten nicht mit Zinserhöhungen. Bei längeren Laufzeiten haben sich auf dem Markt im Verlauf der letzten zwölf Monate auch ohne Änderung der Geldpolitik bereits höhere Zinsen ergeben. Auch wenn die EZB durch das Ankaufsprogramm weiterhin mindestens noch für ein Jahr die Nachfrage ausweitet, halten wir weitere moderate Zinssteigerungen im langfristigen Bereich für möglich. Langfristige Verbindlichkeiten sollten unserem Erachten nach nunmehr auch langfristig abgesichert werden.

 

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