August 2016

Italien ist nicht gefährlich

Mit den Attentaten in Bagdad, Nizza und Würzburg, dem Putschversuch in der Türkei und der nun andauernden Reaktion der türkischen Regierung war der Juli voller tragischer Ereignisse, welche die öffentliche Wahrnehmung fast vollständig dominierten. Zynischerweise zeigt sich der Kapitalmarkt von diesen Tragödien weitgehend unbeeindruckt. Positiv formuliert, gelingt es dem Terrorismus nicht, die Finanzmärkte zu beeinflussen oder gar zu destabilisieren.

Gleichfalls unverändert hoch zeigt sich die Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeimmobilen. Während sich die Stimmung auf dem deutschen Immobilienmarkt durch den Brexit eher verbessert hat, sorgt die italienische Bankenkrise bei den Marktteilnehmern für Beunruhigung.  Es besteht die Befürchtung, dass die europäische Finanzwirtschaft einmal mehr durch die Krise gelähmt wird. Ein Vergleich mit der Griechenlandkrise drängt sich auf. Schließlich war eines der wichtigsten Argumente für den Verbleib Griechenlands im Europäischen Währungssystem die drohende Instabilität Italiens. Aufgrund der hohen Verschuldung hätte Italien auch mit der vereinten Kraft aller Mitgliedsstaaten nicht aufgefangen werden können.

Finanzbarometer

Zinsentwicklung

Die Zinsentwicklung war im Juli weitgehend stabil bei erneut leicht fallenden Tendenzen für alle Laufzeiten. Der Zehn-Jahres-Zinsswap sank zwischenzeitlich auf bis zu 0,27 Prozent, erreicht aber zum Monatsende mit 0,35 nahezu wieder den Stand am Monatsanfang. Der Sechs-Monats-Euribor gab nur geringfügig um 0,5 bp nach und betrug zum Monatsende -0,187 Prozent. Der Drei-Monats-Euribor sank im Monatsverlauf sukzessive um von -0,290 auf -0,298 Prozent. (Stand 27.07.2016)

Stabile Marktlage

In der Griechenlandkrise war die Stabilität des Währungsverbundes gefährdet. Die aktuelle Situation ist völlig anders gelagert. Ein großer Teil der italienischen Banken hat aufgrund nicht werthaltiger Kredite einen kritischen Verschuldungsgrad erreicht. Das Volumen dieser Kredite beträgt etwa 360 Milliarden Euro; der Sanierungsbedarf wird auf bis zu 100 Mrd. Euro geschätzt. Die Staatsverschuldung Italiens ist zwar mit über 130 Prozent des Bruttosozialproduktes bereits sehr hoch und geradezu lächerlich weit weg von den 60 Prozent, die es nach den Maastricht-Kriterien eigentlich sein sollten. Allerdings ist Italien mit einem Rating von BBB+/BBB- weiterhin kreditwürdig – gerade noch. Setzt man aber den Sanierungsbedarf von 100 Mrd. Euro ins Verhältnis zu den absoluten Staatsschulden Italiens von derzeit etwa 2.200 Mrd. Euro, so ist die Behauptung gerechtfertigt, dass sich Italien die Sanierung seiner Banken noch leisten kann. Oder mit anderen Worten: Auf die letzten 100 Milliarden kommt es dann auch nicht mehr an.

Zwar darf der italienische Staat seine Banken nicht ohne weiteres retten. Eine Rettung durch den Staat darf nach den Regelungen der EU eigentlich immer erst Ultima Ratio sein. Zuvor müssten unter anderem Eigentümer und Schuldner Ihren Beitrag leisten – und zwar in Höhe von mindestens 8 Prozent der Bilanzsumme. Eigentlich ist dies aber egal. Entweder werden die Banken vorschriftsmäßig saniert oder entgegen der vereinbarten Regeln einmal mehr vom Staat gerettet. Im letzten Fall wird das Vertrauen in das europäische Regelwerk beschädigt. Da dies aber ohnehin nicht besonders groß ist, würde hierdurch wohl kaum eine Irritation der Finanzmärkte erfolgen. In Summe ist aufgrund der italienischen Bankenkrise eine Beeinträchtigung der Kreditvergabe in Deutschland unseres Erachtens nicht zu erwarten.