April 2016

Deutsche MIPIM

In der Märzausgabe hatten wir vor einem „Schwarzen Schwan“ gewarnt, also vor einem unerwarteten Ereignis, das die Märkte erschüttern könnte. Was auch immer dies sein wird, die Anschläge von Brüssel scheinen es nicht gewesen zu sein. Bis auf ein kurzzeitiges und vorübergehendes Nachgeben der Aktienkurse zeigten die internationalen Börsen keine Reaktion auf den Terroranschlag. Tragischerweise sind derartige Katastrophen für die Finanzmärkte offensichtlich kein überraschendes Ereignis mehr, sondern bereits eingepreist.
Weiterhin sucht weltweit sehr viel Kapital nach Anlagemöglichkeiten. Und trotz Flüchtlingskrise, den Wahlerfolgen der AfD und den auch bei uns drohenden Terroranschlägen gilt nach wie vor Deutschland als der stabile Standort schlechthin und insbesondere deutsche Immobilien als der bevorzugte sichere Hafen. Entsprechend war auch die MIPIM in diesem Jahr erneut sehr deutschlandlastig. Nahezu jeder zweite Teilnehmer war Deutscher oder wollte in Deutschland anlegen. Von der Endzeitstimmung, die noch auf der Expo 2015 deutlich zu spüren war, war in Cannes nichts mehr übrig. Die jüngste Zinssenkung hat – zu unserem nicht geringen Erstaunen – offenbar alle Bedenken beseitigt. Dabei hat sich das makroökonomische Umfeld nicht substantiell verändert. Auch ist der Zustand der Banken in Europa unverändert schlecht und entsprechend ist die Finanzmarktstabilität zu beurteilen. Offenbar interessiert dies aber nach der erneuten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) niemanden mehr.
Wie groß die Erleichterung ist, merken wir daran, dass sich durch die Zinssenkungen die Nachfrage nach Finanzierungen nochmals erhöht hat. Aus unserer Sicht ist dies weniger der marginal niedrigeren Zinsbelastung geschuldet, sondern der Hoffnung, dass die Niedrigzinsphase und damit auch die Preissteigerungen bei Immobilien weiter gehen werden.

Finanzbarometer

Zinsentwicklung

Die Zinsentwicklung im März war weitgehend konstant. Der Zehn-Jahres-Zinsswap gab gegenüber dem Stand am Monatsanfang geringfügig um 2 Basispunkte von 0,58 auf 0,56 Prozent nach. Ebenso stieg der Sechs-Monats-Euribor nur von -0,135 auf -0,132 Prozent. Der Drei-Monats-Euribor sank hingegen weiter von -0,207 auf -0,244 Prozent.

Optimistisches Risikobewusstsein

Außer auf die Höhe der Zinsen scheinen die Investoren auf keine Veränderungen mehr zu reagieren. Die Nerven sind gestählt. Selbst wenn die Gefahr bestünde, dass die Finanzierungsbereitschaft oder -fähigkeit der Banken nachlasse, sehen das viele Marktteilnehmer gelassen. Manche Immobilienkäufer sind sogar der Auffassung, dass sie auch ganz ohne Banken auskommen würden. Die Alternativen, wie eine Finanzierung am Kapitalmarkt durch Crowdfunding oder Private Equity Funds, sind offenbar zumindest gefühlt eine zweite Option.
Auch wir sehen derzeit eine stabile Wertentwicklung an den meisten Investmentstandorten in Deutschland bei zumindest konstanter Nachfrage als die wahrscheinlichste Option. Allerdings teilen wir den überschwänglichen Optimismus nur bedingt. Der Einbruch auf den Börsenmärkten hat gezeigt, dass trotz niedriger Zinsen die Risiken keine Fiktion sind und sich auch realisieren können. Bei Aktien mag dies deutlich schneller gehen. Aber auch bei Immobilien sind Preiskorrekturen grundsätzlich möglich. Bei aller Risikobereitschaft sollte dies eine Finanzierung berücksichtigen.